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Sommer Sonne Weinviertel

Noch scheint der Sommer für uns kaum fühlbar, umso mehr möchte ich mit Dir in den Weinviertler Sommer hineinreisen und einen bewussten Aufenthalt in dieser sanft hügeligen Landschaft erleben. Du weißt ja, mit mir altem Drahtesel ist alles möglich. Begleiten wird uns dieses Mal mein Freund, der Schmetterling. Er ist immer noch auf der Suche nach seiner großen Liebe. Schmetterling du kleines Ding, such dir eine Tänzerin!

Komm, schwing dich auf meinen Sattel, wir helfen ihm dabei! Offensichtlich hat er seine Liebe in einem der Naturschutzgebiete verloren. Die Roseldorfer Umgebung ist reich an solch geschützten Landschaftszonen, in welchen die Menschen der Natur auf respektvolle Art und Weise begegnen sollten. Schutzgebiete benötigen liebevolle Pflege, sodass Artenvielfalt auch weiterhin bestehen kann. Der Schmetterling übrigens ist zäh und lässt sich so schnell nicht vertreiben! Er ist anpassungsfähig und haucht dank langem Atem jeder Seele Verzückung ein. Schmetterling du entzückendes Ding, such endlich deine Tänzerin. Auf geht’s‘!

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Es gibt nichts‘ Schöneres, als immer wieder vom Danzinger Keller aus eine kleine Reise zu unternehmen. Von hier oben, mit Blick auf die Weingärten, bekommt man eine Ahnung davon, was es bedeutet, dass das Westliche Weinviertel „tiefer“ liegt. Besuchen wir heute dieses wunderbare „Land unter dem Manhartsberg“. Schmetterling, folge uns!

Ich möchte mit dir, lieber Weinfreund, der Sonne entgegen zwischen den Feldern zum Südhang des Sandberges radeln. Von der Kellergasse an abwärts können wir die Räder laufen lassen und den Hauch von Wind als Muntermacher annehmen. Aber Achtung, verlier dich nicht darin und betätige rechtzeitig meine Bremse! Ist ja gerade nochmals gut gegangen. Nun gleiten wir fortan ostwärts dahin, bis wir nach wenigen Kilometern am Sandberg angekommen sind.

Das ging ja flott! Wie du an diesen Schautafeln erkennen kannst, befinden wir uns inmitten der größten keltischen Freilandsiedlung Österreichs. Kaum vorstellbar, oder? Heute ist die Siedlung, welche der Region Schmidatal-Pulkautal eine ganz neue Bedeutung verleiht, nebst Ackerbau und Weinbau in eine wohl geformte Hügellandschaft eingebettet. Der Löß, der als Flugstaub der Eiszeit entsprang, lässt die Reben hier wunderbar gedeihen und ist mitverantwortlich für den goldenen Schatz des Weinviertels, die Trauben.

Wein mit Geschichte zu verbinden, hat seit jeher mythischen Charakter. Dem Mythos auf der Spur befinden wir uns auch jetzt, denn ich würde dich bitten, dass wir nun den Weg westwärts einschlagen und dem Lauf der Sonne folgen, bis wir bei einem Naturschutzgebiet angelangt sind, welches für seinen im westlichen Weinviertel typischen Trockenrasen bekannt ist. Folge den Straßenschildern Richtung Eggenburg, dann kannst du den Weg kaum verfehlen. Erblickst du ein Hinweisschild „Fehhaube-Kogelsteine“, entledige dich meiner und gehe von dort aus zu Fuß feldeinwärts, um dem großen Wächter, einer Gesteinsformation aus Granit, gegenüberzutreten. Schmetterling, du kleines Ding, vielleicht entdeckst du ja dort deine Tänzerin!

Ich warte hier auf dich. Ein Fahrrad hält man besser fern von dieser Gesteinsansiedelung, denn es muss schon der Besucher vorsichtig genug sein, um nicht diese biologische Vielfalt an Fauna und Flora zu zerstören. Der Trockenrasen besticht durch seinen wunderbaren Blütenreichtum und bietet Tieren und Pflanzen seinen Schutz. Schmetterling, du kleines Ding, finde deine Tänzerin!

Ah, du bist wieder zurück. Hat dich der gute alte Wächter zu sehr erschrocken? Heute haben wir Glück! Dank des niederschlagsarmen und trockenwarmen Klimas können wir unsere Reise sorgenfrei weiterführen. Ich persönlich bin vorerst weder für Sonnenuntergang noch für Ruhe und Rast. Ich denke auch du konntest inmitten der beeindruckenden Gesteinsformationen etwas Energie tanken, hab ich Recht? So setzen wir unsere Reise heimwärts fort. Es gilt noch ausreichend Zeit für den Roseldorfer Heurigensommer einzuplanen. Dieser belohnt uns nämlich mit köstlichen regionalen Schmankerln und herrlichen Tropfen erlesenen Weines! Komm, wir radeln querfeldein zurück. Lass dich tief in meinen Sattel fallen, lege den Schongang ein und gleite mit mir leise und sanft zwischen fruchtbaren Feldern Richtung Heimat. Schmetterling, du kleines Ding, wo bist du eigentlich hin?

Hat er doch tatsächlich endlich seine Tänzerin gefunden? Wie schön! Auch wir sind mittlerweile am Ende unserer Reise angelangt und dürfen uns nun in die verträumte Kellergasse zurückziehen, um dort den alljährlichen Roseldorfer Heurigensommer zu besuchen. Du kannst zwischen einem Platz unter dem alten Nussbaum oder einem Tisch mitten im Grünen wählen. Vergiss mich dabei bitte nicht! Ich lausche nämlich gerne den Gesprächen bei Tisch. Aber verrate es niemandem.

Heimwärts zum Danzinger Keller darfst du mich jedenfalls schieben! Das macht mir nichts aus, für heute habe ich ohnedies meine Arbeit getan. Jetzt heißt es aber Platz nehmen, ein köstliches Weinviertler Achterl vom Grünen Veltliner genießen und dabei mit Blick über gold glänzende Weizenfelder, honiggelbe Sonnenblumenfelder und grünblättrige Rebstöcke den Sonnenuntergang im romantischen Weinviertel hautnah miterleben.

Deine V.V.V.

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De Grea – Ostern in der Kellergasse

Uns geht’s‘ wirklich gut! Vor einigen Wochen noch durften wir im Fasching dem guten Wein frönen, jetzt, nach beinahe 40 Tagen und Nächten des Fastens, können wir uns bald erneut einem guten Gläschen widmen. Der Winter hat zwar noch einige Spuren hinterlassen, dennoch ist bereits der Frühling eingekehrt und das Osterfest steht vor der Tür.

Im Weinviertel dürfen sich aber nicht nur die Kinder am Osterhasen erfreuen, auch den Erwachsenen steht ein kleines Fest bevor, ein jedes Jahr wieder sehr willkommenes Fest im Kreise guter alter Bekannter. Wer sie gut kennt, der möchte sie nicht missen, und wer sie noch nicht kennt, hat keine Ahnung, was ihm da entgeht: DE GREA!

Ich fahre heute schon mit dir auf de Grean, denn ich kann es kaum erwarten, dir diesen sinnenfreudigen, geselligen Moment vorzustellen. Schwing dich auf meinen Sattel und rein ins Grün mit uns! Endlich wieder Farbe und Freude im Weinviertel.

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So beschwingt und locker leicht wie heute bist du schon lange nicht mehr mit mir losgefahren. Ich fühle, auch in dir findet bereits ein Frühlingserwachen statt. Nach all den finsteren Monaten und dem weißgrauen Schleier, der sich über das Land verbreitet hat, gestaltet sich das Grün der Wiesen und das Braun der Felder derart wohltuend, dass man sich selbst taufrisch und neu keimend fühlt. Für uns beide ist heut‘ schon Ostermontag, jener Tag, an dem sich jedes Jahr die Menschen im Weinviertel, alt und jung, in den Kellergassen versammeln und „an Kellerfrischen“ mit einer Brettljausn zu sich nehmen. Wo die Kinder ihre letzten Eier pecken und die Winzer die Einheimischen mit dem einen oder andern guten Glas Wein verwöhnen. Normalerweise spazieren die Weinviertler durch die Kellergassen, wir beide dürfen mit dem Rad durch gleiten. Wir nehmen uns nämlich gleich mehrere Keller vor, denn jeder davon versprüht sein eigenes Flair.

Heute führe ich in meiner Fahrradtasche einen gut durchzogenen Osterschinken und frisch geriebenen Kren mit. Das sind unsere Mitbringsel für das Beisammensein in den Weinkellern. Dafür belohnen dich die Winzer mit gutem Weiß- und Rotwein, sowie gemütlicher Kelleratmosphäre und die Weinviertler mit geselligen Momenten und fruchtbaren Gesprächen. De Grea beschert Augenblicke des Degustierens, Amüsierens und Philosophierens.

Bevor du jedoch den ersten Keller betrittst, möchte ich mit dir noch ein wenig durch die Kellergassen radln. Es gibt so viele an der Zahl im Weinviertel. Eine schöner als die andere. Und jede birgt viele Kostbarkeiten. Ich liebe die alten Presshäuser, die in den Löss hineingegraben wurden, den Geruch der Kellerröhren, in denen ursprünglich die Gärung und die Lagerung des Weines stattgefunden haben. Manches Mal entdeckt man noch alte Holzbottiche und Dopplerflaschen, die früher oft beim Heurigen zum Einsatz kamen. Besonders angetan haben es mir auch die schweren Doppelholztüren, die direkt in den Kölla geführt haben, mit ihren Riesenschlössern und dem dazugehörigen schweren metallenen Kellerschlüssel, der auch von starkem symbolischen Gehalt war.

Ich persönlich mag die Hohlweg-Kellergassen sehr. Eine Kellerröhre liegt neben der anderen und man kann das Gassl fast nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad durchqueren. Links und rechts huschen Mäuse in ihre Erdlöcher und niemand nimmt Einblick in die Gasse. Nur der Wind pfeift durch und der Löss wird aufgewirbelt. Diese Kellergassen haben etwas Geheimnisvolles an sich. Hinter jeder Kellertür vermutet man andere Geschichten über und rund um den Wein und oberhalb jedes Kellergwölbs verbergen sich Weingärten, kleine Platzl mit Bänken oder einfach nur Gstettn‘.

Manches Mal trifft man vor den Weinkellern die Weinbauern, allein oder in Zweisamkeit, sie sitzen draußen vor der Kellertür, trinken Wein aus einem alten Achterlglas und schauen. Sitzen, trinken und schauen. Mehr braucht es da gar nicht. Die Arbeit findet innerhalb des Kellers statt, der Müßiggang meist außerhalb. Man fürchtet die Ruhe zu stören, wenn man vorbeikommt, allerdings vermute ich mittlerweile, dass man kaum wahrgenommen wird. Nichts bringt solch in sich ruhende Seelen aus dem Gleichgewicht!

Aber weißt du was, ich glaube, jetzt ist es an der Zeit, dass du den ersten Weinkölla betrittst! Such dir einen Platz am Holzbankerl nebst Eingang zum Gwölb und nimm Teil an der geselligen Runde der Grea. Welchen Keller du dir zuerst auswählst, überlass ich dir. Genieße dein Weinachterl, den guten Schinken, scharfen Kren und selbst gebackenes Schwarzbrot, dazu Gurkerl und harte Eier. Lausche den Gesprächen oder bring dich selbst ein, erzähl von dir, deinem Befinden, deinen Wünschen oder lass dir von der Arbeit im Weingarten und im Weinkeller berichten. Du darfst über alles reden, vor allem aber über den Wein, wie er dir schmeckt, wie er duftet, wie er am Gaumen bekommt, welchen Abgang er hat, welche Farbe er hat und lass dir ruhig nachschenken. Es ist genug vorhanden.

Auch wenn das Weinviertel manches Mal etwas karg, menschenleer und verschlafen wirkt, der Wein macht sich immer irgendwo bemerkbar. Ein Achterl lässt sich schnell einmal wo auftreiben. Und wenn sich die Leut nach ausgelassener Stimmung und angeregten Gesprächen schön langsam nur mehr anschweigen, bleib trotzdem noch sitzen. Es ist noch lang nicht vorbei. Die besten Achterl kommen zum Schluss, denn da wird jeder Schluck nochmals wertgeschätzt und genossen, bevor alle müde zu Fuß nach Hause gehen oder ihr Fahrrad schieben bzw. das Fahrrad den Besitzer schiebt…

Ich geleite dich heut auch gern nach Hause, denn de Grea darf man wirklich nicht frühzeitig verlassen!

Genieße und entspanne. Ich habe Zeit, viel Zeit!

Deine V.V.V.

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A so a Theater!

Ich ruhe und raste nun schon eine ganze Zeit lang dahin, die letzten Monate waren etwas hart ohne Dich. Rost hat sich noch keiner über mich ausgebreitet, dafür scheinen meine Pedale bereits wie festgefroren. Sie halten nun schon einige Wochen Winterschlaf.

Um der Winterstarre zu entkommen, möchte ich dich gerne dazu einladen, mit mir eine neue Reise zu machen. Bei mir hier am Hügel sind die Narren noch nicht angekommen, deswegen dachte ich mir, wir fahren sie besuchen. Und damit wir nicht ganz unschuldig bleiben, habe ich für köstlichen Proviant in meiner Fahrradtasche gesorgt.

Komm, steig auf und bring neuen Schwung in meine Pedale. Der Frühling ist zwar noch nicht eingekehrt, dafür erwärmen und erfreuen wir uns beim Betrachten eines Spektakels.

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Schon Platon hat gemeint, der Wein sei ein Geschenk der Götter. Gott sei Dank, dass auch wir die edlen Tropfen nicht verschmähen müssen und gerade jetzt im Fasching sich jeder mal manch weinviertlerisches Schluckerl gönnen darf. Wir machen uns heute unser eigenes Theater, ein Weintheater. Meint aber keinesfalls Heulkrämpfe aufgrund vermehrten Alkoholkonsums, sondern nebst flüchtigem Stehachterl beobachten wir das bunte Treiben um uns herum. Warum flüchtig? Das wirst du gleich sehen.

Du musst wissen, der Fasching im Weinviertel spielt sich selten auf der Straße ab, dafür umso mehr in jeglichen Häusern selbst, in den Ämtern, Büros und Geschäftslokalen, in Kaffeehäusern, Gasthäusern, Wohnhäusern, Lusthäusern und sonstigen Spelunken. Jacques, der pessimistische Philosoph in Shakespeares „Wie es Euch gefällt“, karikiert mit seiner Polemik wie folgt: „Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler. Sie treten auf und gehen wieder ab, […].“ Und das gerade jetzt im Fasching umso mehr. Der Fasching überhöht nur das alltägliche Spiel und spitzt das Geschehen auf Situationen eruptiven Charakters zu.

Diese Eruption kannst du im Folgenden vor allem im Gesicht der Menschen ablesen. Das Gesicht ist Ausdruck der Seele, sagt man. Mal sehen, welch Ausdrücke uns in den nächsten flüchtigen Momenten widerfahren. Ich weiß schon, frönst du dem Wein, ist der Blick vielleicht getrübt, aber ich verspreche dir, mein Weinproviant für dich wird deinen Blick eher schärfen als trüben! Hab keine Angst vor dem, was du siehst. Es ist das Leben!

Komm, ich kenn da einen Ort im Weinviertel, da spielt sich alles Theater rund um den Hauptplatz ab. Keine Kammer, in der sich nicht irgendetwas Verkehrtes abspielt. Sozusagen ein Kammerspiel der exzentrischen Art. Sitzt du fest? Fahren wir los. Sobald du bereit bist für das erste Steh-Achterl, zieh die Bremse und steig ab. Halt dich aber bitte weiterhin an mir fest, denn es wird nicht bei einem Steh-Achterl bleiben, das versprech ich dir. Hast du Lust bekommen auf karnevalistisches Treiben? Auf geht’s‘, denn wir haben so einige Kilometer vor uns, was keinesfalls schadet, denn wir benötigen die lange Rückreise, um wieder klar im Kopf zu werden und die Welt wieder etwas nüchterner betrachten zu können.

Noch immer ganz schön kalt. Ich glaube der Fasching dient rein dazu, dem langen Winter Kehraus zu machen und sich anschleichenden Depressionen zu versagen. Ok, entschuldige bitte, aber meine Gedanken gleiten so dahin. Aha, ich merke, wir sind angekommen. Du hast dich für einen ersten Stopp entschieden. Was seh ich da? Lauter angezuckerte Mäuler in der Bäckerei? Ein erstes markantes Erkennungszeichen für den Fasching in der Heimat. Die Faschingskrapfen haben Saison. Die Marmelade quillt aus allen Öffnungen! Oh Gott, sieh Mal, manche bekommen gar nicht genug davon! Brauchst du schon dein erstes Achterl? Lass es dir schmecken bevor es weitergeht.

Gleich nebenan, puh, da qualmt es aber ordentlich. Rote Nasen in der Trafik? Dort treffen sich alljährlich die originellsten Clowns und machen einen Lachwettbewerb. Ein gutes Stamperl hilft ihnen dabei. Stamperl hast du nicht dabei, dafür dein Achterlglas. Du darfst es gern wieder füllen. Schau, da drüben, auf der anderen Seite, da regnet es zwar keine Geldscheine, dafür Konfetti in allen Farben.

Auch im örtlichen Geldinstitut darf mal großzügig gefeiert werden. Du hast Recht, in den Gesichtern dieser Menschen zeichnet sich mehr Schrecken als gute Laune ab. Böse Miene zum bösen Spiel? Euje, da seh ich ja auch schon Tränen fließen. Ich glaube, der Fasching meints‘ nicht gut mit jedem Menschen. Du, ich hab da eine Idee, nimm dein Steh-Achterl und biet es diesen Narren als Schmäh-Achterl an. Vielleicht kannst du sie etwas damit erheitern? Oft brauchen die Menschen einfach nur ein wenig Ansprache. Du schenkst ihnen bestimmt Balsam für die Seele. Ich warte hier auf dich. Noch stehst du ja fest auf beiden Beinen. Aber vergiss mich nicht und kehre aus der verkehrten Welt wieder zurück. Es soll nur ein Ausflug sein!

Ah, da bist du ja wieder. Steht die ganze Welt noch Kopf? Oder ziehen sich die ausgelassenen Seelen langsam wieder in ihr Schneckenhaus zurück? Komm, wir sollten heimkehren. Im Keller in Roseldorf wartet noch ein Schluss-Achterl auf dich! Ich bring dich nach Hause. Um den Nachhauseweg etwas zu verkürzen, hab ich noch einen Witz für dich: Sagt der Rotwein zum Weißwein: „Bist du eifersüchtig?“ „Auf wen?“ „Na auf mich.“ „Nein. Aber süchtig.“ „Auf wen?“ „Na auf dich.“ Ok, der war vielleicht nicht so gut. Aber, im Fasching finden die Menschen doch alles lustig, oder nicht? Wir beide lassen es für heute aber sein. Freu dich auf die gemütliche Couch und dein letztes Achterl im Danzingerkeller heut.

Bis zum nächsten Mal!

Deine Velocina Vinocina Vicina – ups, auch schon ganz verkehrt!

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Stille Weihnacht im Weinviertel

Vor Kurzem erst bist du aufgestiegen und strampelst seither mit mir über holprige Feldwege, angefrorene Ackerfurchen und durch verlassene Hohlwege im mittlerweile verschlafenen Weinviertel. Der Nebel ist nicht ganz gewichen, die Sonne lässt sich immer nur kurz blicken, dafür ist uns vom Radeln warm geworden. Deine Hände kuscheln sich in Fäustlinge, die wir auf einem Bankerl vor einem alten Weinkeller gefunden haben. Mit diesen hast du mich bereits fest im Griff! Fühlt sich wohlig warm an!

Nach einem guten Achterl Jungwein nebst Kaminofen im Roseldorfer Wohlfühlkeller entführe ich dich heute auf meinen Lieblingschristkindlmarkt und du darfst in diesen winterlich-vorweihnachtlichen Kosmos mit allen Sinnen eintauchen. Lass dich verwöhnen und genieße! Es ist ein Weihnachtsmarkt der ganz besonderen Art…

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Hat dich das Achterl schon gewärmt? Es ist heut nämlich ganz schön kalt draußen! Hast du Schal und Mütze dabei? Gleich radeln wir los. Vielleicht sollten wir das Tempo langsam steigern, damit uns die Glieder nicht gefrieren. Ich weiß, das fällt nicht leicht, wenn einem die beißende Winterluft ins Gesicht bläst. Aber, sie hält uns frisch und lässt uns wachsam gegenüber den schönen Dingen bleiben, die uns umgeben. Apropos, sieh mal, die Krähen beobachten uns scharfäugig. Von den mittlerweile kahl gewordenen Ästen herab halten sie Ausschau nach Futter und entdecken uns dabei. Was die sich wohl denken? Entkommen wir diesen angriffslustigen Vögeln, bevor wir schwarz sehen. Achtung, eine Mulde. Schon zu spät. Du sitzt ja wirklich gut im Sattel. Ich glaube, du hast dich schon an mich gewöhnt. Ab sofort bemühe ich mich sanfter zu gleiten.

Vielleicht nehmen wir zur Abwechslung die Landstraße, Felder haben wir beide bereits genug gesehen. Du brauchst also nichts zu tun, als gut zu sitzen und deinen Blick schweifen zu lassen. Wir rollen ganz von alleine ins nächste Dorf hinein, bis zum Dorfplatz, genauer gesagt, bis vor die Kirche. Ich bin diese Strecke unzählige Male gefahren. Wir werden ungewollt schneller, das ist der Lauf des Lebens. Die Weinviertler Landschaft zieht im Zeitraffer an uns vorbei: Kahl gewordene Rebstöcke, brach liegende Felder, verwachsene Windschutzgürtel, Mulden, Hügel, leer stehende Weinkeller, Kirchtürme in der Entfernung Aber liegen und stehen sie nicht eigentlich alle still? Wir sind diejenigen, die vorüberziehen. Ich liebe solche Momentaufnahmen, ich hab schon ein ganzes Bilderbuch in meinem Kopf.

So, da sind wir schon. Hab ichs‘ doch gesagt, mitten am Kirchplatz. Bitte stell mich heut nicht einfach irgendwo ab, geleite mich vorsichtig durch die verschiedenen Stationen dieses besonderen Adventmarktes. Schieben ist erlaubt! Überall Laternen, jede leuchtet anders, jede in ihrer eigenen Größe und Farbe. Auch die Kerzen darin sind von unterschiedlicher Form. Diese hier sind alle aus Bienenwachs gemacht. Du kannst den süßlichen Duft wahrlich riechen. Horch, vom Inneren der Kirche heraus ertönt der Chor, der eifrig seine Weihnachtslieder probt. Stimmen vibrieren und klangvolle Töne breiten sich über uns aus. Nähern wir uns doch der Feuerstelle dort hinter dem Kirchenschiff, um deine Füße zu wärmen. Es knistert schon im Feuerkorb. Mittlerweile ist es finster geworden, umso schöner die gelbroten Farben der Flammen. Bist du hungrig geworden? Hier gibt es den besten Lebkuchen weit und breit, mit einer guten Note Zimt und Sternanis als Verzierung drauf. Die Zuckerglasur glänzt in den schönsten Farben. Hol dir doch heißen Punsch dazu! Da drüben, unter der alten Tanne, ist eine kleine Holzhütte, der Duft von Orangen und Beeren strömt bereits bis hierher.

Bevor wir in unseren Ferienkeller zurückkehren, musst du unbedingt von unseren Weinviertler Kostbarkeiten wählen. Wir finden Sie, nachdem wir an der großen Weihnachtskrippe mit den menschgroßen Figuren vorbeigekommen sind. Dort verstecken sie sich in edlen Kartons mit Schleifen in den weihnachtlichsten Farben überhaupt: winterweiß, weinrot & perlgold. Wenn du nicht weißt, was du heuer an Weihnachten schenken könntest, dann suche davon aus. Kocht der Beschenkte etwa gerne und trinkt mit Vorliebe ein gutes Achterl zum Dinner, dann wähle „Winterweiß“. Bevorzugt er philosophische Gespräche mit Freunden, schenke ihm „Weinrot“, feiert er aber die Feste, wie sie fallen, entscheide dich für „Perlgold“. Und kannst du dich gar nicht entscheiden, nimm alle drei, denn keiner gleicht dem anderen.

Also doch! Nun denn, jetzt heißt es vorsichtig radln, denn du trägst edle Tropfen mit dir. Ehe wir starten, greif nach der Spieluhr in meiner Fahrradtasche. Dreh auch die Uhr mit Sorgfalt, dann erklingt ein altbekanntes „Leise rieselt der Schnee“. Wunderst du dich auch, wo der Schnee bleibt? Weißt du was, lauschen wir der Musik, finden unser eigenes Tempo dazu und stellen uns die Winterwunderlandschaft einfach vor …still und starr ruht der See, weihnachtlich glänzet der Wald, freue dich…

Angekommen! So schnell geht das, wenn man sich dem Moment hingibt. Sieh mal, durch das beschlagene Fensterglas kann man schon das Feuer im Kamin lodern sehen. Freust du dich auf die warme Stube, auf die Couch und ihre Wolldecke und darauf, dass du deine Beine hochlagern und bei einem guten Gläschen Wein deiner Wahl den Tag Revue passieren lassen kannst? Auch ich ruhe mich aus und freue mich, wenn du mit mir im neuen Jahr wieder auf Reisen gehst! Stell mich einfach ruhigen Gewissens auf meinen alten Platz zurück, dort drüben, zwischen das Weinfass und den ausgedorrten Winterbaum. Ich halts‘ schon aus!

Frohe Weihnacht übrigens!

Deine Velocina Vicina Vinocina

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In VINO gönn dir was

Ein saloppes Hallo! Oder ein Flügel verleihendes Servus?! Ein lässiges Ciao! Oder gar ein altmodisches Grüß‘ Sie!? Ein förmliches Guten Tag. Oder ein sittengetreues Grüß Gott! Ein kurzes und oberflächliches Hi?! Wie auch immer.

Ich bin Velocina Vicina Vinocina. An diesen Kauderwelsch musst du dich ab jetzt gewöhnen. Ich bin nämlich Anfänger. Apropos Welsch. Wann hast du zuletzt Welschriesling getrunken? Nämlicher ist kein Anfänger, sondern ein sogenannter Einsteiger.

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Ich indessen mache dich zum Aufsteiger. Heutzutage ein Aufsteiger sein, ist wirklich etwas Besonderes. Existieren doch beinah mehr Aussteiger als Aufsteiger. Ich meine AussteigerInnen, das Binnen-I ist selbstverständlich zu berücksichtigen. Haben wir es hier mit einer Existenzfrage zu tun? Was diesen einen Buchstaben betrifft bestimmt, aber die Tatsache, ob man AufsteigerIn oder AussteigerIn ist!? Ob Soll und Haben, Haben oder Sein, Sein oder Nicht-Sein, soll uns heute allerdings nur am Rande beschäftigen.

Deswegen zurück zum Welsch! Er existiert noch. Und lässt sich nicht einfach so wegrieseln. Er ist relativ frostresistent und eine Rebsorte, die eher spät reift. Gegen Frost resistent, das bin ich leider nicht, dafür aber gut gereift, sagen wir bereift. Allerdings haftet mir kein blumig-fruchtiges Aroma an. Sucht man übrigens nach der Abstammung der Rebe der Sorte Welschriesling, tappt man offensichtlich im Dunkeln. Ebenso, wenn es sich um meine Abstammung handelt.

Velocina folgt augenscheinlich einer Umwandlung des Adjektivs veloce [schnell], Vicina einer Abwandlung des Adjektivs vicino [nah(e)] und Vinocina (dieses Wort existiert eigentlich gar nicht) resultiert aus einer Verwandlung des vorigen unter Beimischung des Nomen vino [Wein]. Die weibliche Substantivendung „a“ betont die weibliche Note. Nun denn, das „I“ und das „a“, ergo „I a“. Gemeint ist aber keinesfalls des Esels störrisches „I a“, sondern ein umgangssprachliches „I a“, folglich: ICH AUCH! Ich erst recht! Womit wir doch wieder bei der Existenzfrage angelangt wären!?

Jedenfalls mag ich solch Wortspiele, es ist, als ob die richtigen Wortsilben in meine Räder gelangten, sich dort verdrehten und Velocina Vicina Vinocina ins Leben riefen. Apropos. Folgst du deinem Ruf des Lebens? Kennst du ihn? Ich vielleicht schon. Aber das bleibt vorerst ein Geheimnis. Jedenfalls treten wir in nächster Zeit des Öfteren miteinander in Kontakt. Wir treten aber nicht nur in Kontakt, sondern auch in die Räder. Ich nehme dich nämlich mit auf meine Reise! Eine Zeit-Reise. Ich meine nicht diejenige Reise, welche uns in eine andere Zeit entführt. Wir schwelgen weder in Erinnerung, noch machen wir uns Gedanken über unsere Zukunft, sondern wir reisen in die Zeit hinein! In „das Jetzt“, das auch Zeit bedeutet.

Komm einfach mit, – ja, DU AUCH, du erst recht! – schwing dich auf meinen Sattel und werde AufsteigerIn. Lass‘ dich entführen und verführen! Keine Sorge, sobald du fest auf meinem Sattel sitzt, verfügst du über den schnellsten Entschleuniger, den du dir vorstellen kannst, nämlich mich alten Drahtesel! Ja, ich weiß, doch ein Esel! Aber einer mit Speichen, die noch dazu aussehen wie eine Uhr, eine Zeit-Uhr! Sie drehen sich unentwegt, aber langsam. Momentan stehen sie beinahe still. Still ruht und reift derzeitig auch der Jungwein in den Stahltanks und Weinfässern der Weinkeller. Solltest du auch nach der Stille suchen, dann entkomme allem, was dich in Besitz hält. Radeln wir durch graue Nebelschwaden, trotzen wir der feuchtkalten Luft und der tristen Jahreszeit. Fahren wir durch die Weinviertler Kellergassen, überqueren wir die Feldwege und durchkreuzen die Hohlwege. Steig auf, halt dich fest und gebe dich der Reise hin. Fortsetzung folgt!

Deine V.V.V.

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