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De Grea – Ostern in der Kellergasse

Uns geht’s‘ wirklich gut! Vor einigen Wochen noch durften wir im Fasching dem guten Wein frönen, jetzt, nach beinahe 40 Tagen und Nächten des Fastens, können wir uns bald erneut einem guten Gläschen widmen. Der Winter hat zwar noch einige Spuren hinterlassen, dennoch ist bereits der Frühling eingekehrt und das Osterfest steht vor der Tür.

Im Weinviertel dürfen sich aber nicht nur die Kinder am Osterhasen erfreuen, auch den Erwachsenen steht ein kleines Fest bevor, ein jedes Jahr wieder sehr willkommenes Fest im Kreise guter alter Bekannter. Wer sie gut kennt, der möchte sie nicht missen, und wer sie noch nicht kennt, hat keine Ahnung, was ihm da entgeht: DE GREA!

Ich fahre heute schon mit dir auf de Grean, denn ich kann es kaum erwarten, dir diesen sinnenfreudigen, geselligen Moment vorzustellen. Schwing dich auf meinen Sattel und rein ins Grün mit uns! Endlich wieder Farbe und Freude im Weinviertel.

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So beschwingt und locker leicht wie heute bist du schon lange nicht mehr mit mir losgefahren. Ich fühle, auch in dir findet bereits ein Frühlingserwachen statt. Nach all den finsteren Monaten und dem weißgrauen Schleier, der sich über das Land verbreitet hat, gestaltet sich das Grün der Wiesen und das Braun der Felder derart wohltuend, dass man sich selbst taufrisch und neu keimend fühlt. Für uns beide ist heut‘ schon Ostermontag, jener Tag, an dem sich jedes Jahr die Menschen im Weinviertel, alt und jung, in den Kellergassen versammeln und „an Kellerfrischen“ mit einer Brettljausn zu sich nehmen. Wo die Kinder ihre letzten Eier pecken und die Winzer die Einheimischen mit dem einen oder andern guten Glas Wein verwöhnen. Normalerweise spazieren die Weinviertler durch die Kellergassen, wir beide dürfen mit dem Rad durch gleiten. Wir nehmen uns nämlich gleich mehrere Keller vor, denn jeder davon versprüht sein eigenes Flair.

Heute führe ich in meiner Fahrradtasche einen gut durchzogenen Osterschinken und frisch geriebenen Kren mit. Das sind unsere Mitbringsel für das Beisammensein in den Weinkellern. Dafür belohnen dich die Winzer mit gutem Weiß- und Rotwein, sowie gemütlicher Kelleratmosphäre und die Weinviertler mit geselligen Momenten und fruchtbaren Gesprächen. De Grea beschert Augenblicke des Degustierens, Amüsierens und Philosophierens.

Bevor du jedoch den ersten Keller betrittst, möchte ich mit dir noch ein wenig durch die Kellergassen radln. Es gibt so viele an der Zahl im Weinviertel. Eine schöner als die andere. Und jede birgt viele Kostbarkeiten. Ich liebe die alten Presshäuser, die in den Löss hineingegraben wurden, den Geruch der Kellerröhren, in denen ursprünglich die Gärung und die Lagerung des Weines stattgefunden haben. Manches Mal entdeckt man noch alte Holzbottiche und Dopplerflaschen, die früher oft beim Heurigen zum Einsatz kamen. Besonders angetan haben es mir auch die schweren Doppelholztüren, die direkt in den Kölla geführt haben, mit ihren Riesenschlössern und dem dazugehörigen schweren metallenen Kellerschlüssel, der auch von starkem symbolischen Gehalt war.

Ich persönlich mag die Hohlweg-Kellergassen sehr. Eine Kellerröhre liegt neben der anderen und man kann das Gassl fast nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad durchqueren. Links und rechts huschen Mäuse in ihre Erdlöcher und niemand nimmt Einblick in die Gasse. Nur der Wind pfeift durch und der Löss wird aufgewirbelt. Diese Kellergassen haben etwas Geheimnisvolles an sich. Hinter jeder Kellertür vermutet man andere Geschichten über und rund um den Wein und oberhalb jedes Kellergwölbs verbergen sich Weingärten, kleine Platzl mit Bänken oder einfach nur Gstettn‘.

Manches Mal trifft man vor den Weinkellern die Weinbauern, allein oder in Zweisamkeit, sie sitzen draußen vor der Kellertür, trinken Wein aus einem alten Achterlglas und schauen. Sitzen, trinken und schauen. Mehr braucht es da gar nicht. Die Arbeit findet innerhalb des Kellers statt, der Müßiggang meist außerhalb. Man fürchtet die Ruhe zu stören, wenn man vorbeikommt, allerdings vermute ich mittlerweile, dass man kaum wahrgenommen wird. Nichts bringt solch in sich ruhende Seelen aus dem Gleichgewicht!

Aber weißt du was, ich glaube, jetzt ist es an der Zeit, dass du den ersten Weinkölla betrittst! Such dir einen Platz am Holzbankerl nebst Eingang zum Gwölb und nimm Teil an der geselligen Runde der Grea. Welchen Keller du dir zuerst auswählst, überlass ich dir. Genieße dein Weinachterl, den guten Schinken, scharfen Kren und selbst gebackenes Schwarzbrot, dazu Gurkerl und harte Eier. Lausche den Gesprächen oder bring dich selbst ein, erzähl von dir, deinem Befinden, deinen Wünschen oder lass dir von der Arbeit im Weingarten und im Weinkeller berichten. Du darfst über alles reden, vor allem aber über den Wein, wie er dir schmeckt, wie er duftet, wie er am Gaumen bekommt, welchen Abgang er hat, welche Farbe er hat und lass dir ruhig nachschenken. Es ist genug vorhanden.

Auch wenn das Weinviertel manches Mal etwas karg, menschenleer und verschlafen wirkt, der Wein macht sich immer irgendwo bemerkbar. Ein Achterl lässt sich schnell einmal wo auftreiben. Und wenn sich die Leut nach ausgelassener Stimmung und angeregten Gesprächen schön langsam nur mehr anschweigen, bleib trotzdem noch sitzen. Es ist noch lang nicht vorbei. Die besten Achterl kommen zum Schluss, denn da wird jeder Schluck nochmals wertgeschätzt und genossen, bevor alle müde zu Fuß nach Hause gehen oder ihr Fahrrad schieben bzw. das Fahrrad den Besitzer schiebt…

Ich geleite dich heut auch gern nach Hause, denn de Grea darf man wirklich nicht frühzeitig verlassen!

Genieße und entspanne. Ich habe Zeit, viel Zeit!

Deine V.V.V.

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