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Stille Weihnacht im Weinviertel

Vor Kurzem erst bist du aufgestiegen und strampelst seither mit mir über holprige Feldwege, angefrorene Ackerfurchen und durch verlassene Hohlwege im mittlerweile verschlafenen Weinviertel. Der Nebel ist nicht ganz gewichen, die Sonne lässt sich immer nur kurz blicken, dafür ist uns vom Radeln warm geworden. Deine Hände kuscheln sich in Fäustlinge, die wir auf einem Bankerl vor einem alten Weinkeller gefunden haben. Mit diesen hast du mich bereits fest im Griff! Fühlt sich wohlig warm an!

Nach einem guten Achterl Jungwein nebst Kaminofen im Roseldorfer Wohlfühlkeller entführe ich dich heute auf meinen Lieblingschristkindlmarkt und du darfst in diesen winterlich-vorweihnachtlichen Kosmos mit allen Sinnen eintauchen. Lass dich verwöhnen und genieße! Es ist ein Weihnachtsmarkt der ganz besonderen Art…

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Hat dich das Achterl schon gewärmt? Es ist heut nämlich ganz schön kalt draußen! Hast du Schal und Mütze dabei? Gleich radeln wir los. Vielleicht sollten wir das Tempo langsam steigern, damit uns die Glieder nicht gefrieren. Ich weiß, das fällt nicht leicht, wenn einem die beißende Winterluft ins Gesicht bläst. Aber, sie hält uns frisch und lässt uns wachsam gegenüber den schönen Dingen bleiben, die uns umgeben. Apropos, sieh mal, die Krähen beobachten uns scharfäugig. Von den mittlerweile kahl gewordenen Ästen herab halten sie Ausschau nach Futter und entdecken uns dabei. Was die sich wohl denken? Entkommen wir diesen angriffslustigen Vögeln, bevor wir schwarz sehen. Achtung, eine Mulde. Schon zu spät. Du sitzt ja wirklich gut im Sattel. Ich glaube, du hast dich schon an mich gewöhnt. Ab sofort bemühe ich mich sanfter zu gleiten.

Vielleicht nehmen wir zur Abwechslung die Landstraße, Felder haben wir beide bereits genug gesehen. Du brauchst also nichts zu tun, als gut zu sitzen und deinen Blick schweifen zu lassen. Wir rollen ganz von alleine ins nächste Dorf hinein, bis zum Dorfplatz, genauer gesagt, bis vor die Kirche. Ich bin diese Strecke unzählige Male gefahren. Wir werden ungewollt schneller, das ist der Lauf des Lebens. Die Weinviertler Landschaft zieht im Zeitraffer an uns vorbei: Kahl gewordene Rebstöcke, brach liegende Felder, verwachsene Windschutzgürtel, Mulden, Hügel, leer stehende Weinkeller, Kirchtürme in der Entfernung Aber liegen und stehen sie nicht eigentlich alle still? Wir sind diejenigen, die vorüberziehen. Ich liebe solche Momentaufnahmen, ich hab schon ein ganzes Bilderbuch in meinem Kopf.

So, da sind wir schon. Hab ichs‘ doch gesagt, mitten am Kirchplatz. Bitte stell mich heut nicht einfach irgendwo ab, geleite mich vorsichtig durch die verschiedenen Stationen dieses besonderen Adventmarktes. Schieben ist erlaubt! Überall Laternen, jede leuchtet anders, jede in ihrer eigenen Größe und Farbe. Auch die Kerzen darin sind von unterschiedlicher Form. Diese hier sind alle aus Bienenwachs gemacht. Du kannst den süßlichen Duft wahrlich riechen. Horch, vom Inneren der Kirche heraus ertönt der Chor, der eifrig seine Weihnachtslieder probt. Stimmen vibrieren und klangvolle Töne breiten sich über uns aus. Nähern wir uns doch der Feuerstelle dort hinter dem Kirchenschiff, um deine Füße zu wärmen. Es knistert schon im Feuerkorb. Mittlerweile ist es finster geworden, umso schöner die gelbroten Farben der Flammen. Bist du hungrig geworden? Hier gibt es den besten Lebkuchen weit und breit, mit einer guten Note Zimt und Sternanis als Verzierung drauf. Die Zuckerglasur glänzt in den schönsten Farben. Hol dir doch heißen Punsch dazu! Da drüben, unter der alten Tanne, ist eine kleine Holzhütte, der Duft von Orangen und Beeren strömt bereits bis hierher.

Bevor wir in unseren Ferienkeller zurückkehren, musst du unbedingt von unseren Weinviertler Kostbarkeiten wählen. Wir finden Sie, nachdem wir an der großen Weihnachtskrippe mit den menschgroßen Figuren vorbeigekommen sind. Dort verstecken sie sich in edlen Kartons mit Schleifen in den weihnachtlichsten Farben überhaupt: winterweiß, weinrot & perlgold. Wenn du nicht weißt, was du heuer an Weihnachten schenken könntest, dann suche davon aus. Kocht der Beschenkte etwa gerne und trinkt mit Vorliebe ein gutes Achterl zum Dinner, dann wähle „Winterweiß“. Bevorzugt er philosophische Gespräche mit Freunden, schenke ihm „Weinrot“, feiert er aber die Feste, wie sie fallen, entscheide dich für „Perlgold“. Und kannst du dich gar nicht entscheiden, nimm alle drei, denn keiner gleicht dem anderen.

Also doch! Nun denn, jetzt heißt es vorsichtig radln, denn du trägst edle Tropfen mit dir. Ehe wir starten, greif nach der Spieluhr in meiner Fahrradtasche. Dreh auch die Uhr mit Sorgfalt, dann erklingt ein altbekanntes „Leise rieselt der Schnee“. Wunderst du dich auch, wo der Schnee bleibt? Weißt du was, lauschen wir der Musik, finden unser eigenes Tempo dazu und stellen uns die Winterwunderlandschaft einfach vor …still und starr ruht der See, weihnachtlich glänzet der Wald, freue dich…

Angekommen! So schnell geht das, wenn man sich dem Moment hingibt. Sieh mal, durch das beschlagene Fensterglas kann man schon das Feuer im Kamin lodern sehen. Freust du dich auf die warme Stube, auf die Couch und ihre Wolldecke und darauf, dass du deine Beine hochlagern und bei einem guten Gläschen Wein deiner Wahl den Tag Revue passieren lassen kannst? Auch ich ruhe mich aus und freue mich, wenn du mit mir im neuen Jahr wieder auf Reisen gehst! Stell mich einfach ruhigen Gewissens auf meinen alten Platz zurück, dort drüben, zwischen das Weinfass und den ausgedorrten Winterbaum. Ich halts‘ schon aus!

Frohe Weihnacht übrigens!

Deine Velocina Vicina Vinocina

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